So funktioniert unsere Windvorhersage
Unsere Vorhersage ist neu und funktioniert anders als die üblichen Wetter-Apps: Sie lernt aus echten Messungen am Spot, und sie sagt nicht nur eine Zahl, sondern wie wahrscheinlich Wind ist. Hier steht kurz, wie du sie liest.
Was ist anders?
Wettermodelle rechnen auf einem Raster von mehreren Kilometern. Berge, Täler und Ufer bilden sie nur grob ab – genau die machen aber den Wind am See. Wir vergleichen die Wettermodelle seit Jahren mit unseren Messstationen am Spot. Daraus lernt ein Machine-Learning-Modell, wie der Wind an genau diesem Spot ankommt, und korrigiert die Wettermodelle entsprechend. Jeder Spot hat sein eigenes Modell.
Warum Wahrscheinlichkeiten?
Wetter ist nie sicher. Eine einzelne Zahl wie „14 Knoten“ täuscht eine Genauigkeit vor, die es nicht gibt. Wir sagen deshalb, wie oft bei einer solchen Wetterlage welcher Wind kam. „Windtag 70 %“ heißt: An 7 von 10 vergleichbaren Tagen gab es einen Windtag – an 3 nicht. 70 % ist also eine gute Chance, aber keine Garantie. Je näher der Tag rückt, desto sicherer wird die Vorhersage.
Die Stufen
Jeder Tag bekommt eine Stufe. Gewertet wird der Grundwind (Mittelwind) zwischen 7 und 19 Uhr, an allen Spots gleich. Es reicht eine Stunde.
Flaute – unter 6 Knoten.
Leichtwind – ab 6 Knoten.
Windtag – ab 11 Knoten, genug für eine Session mit großem Material.
Big Day – ab 14 Knoten.
Die Labels: welcher Wind
Das Label sagt, woher der Wind an diesem Tag kommt. Welche es an einem Spot gibt und wie wir sie dort erkennen, steht auf der Detailseite des Spots.
Thermik – an sonnigen Tagen heizen sich Berge und Täler auf, die Luft strömt nach. Meist ab Mittag, gleichmäßig.
Föhn – warmer, trockener Südwind über die Alpen, oft schon am Morgen, kräftig und böig.
Föhn, dann Front – der Föhn bricht im Lauf des Tages zusammen, eine Front zieht heran und der Wind dreht auf Nord. Wo wir es berechnen können, steht dabei, ab wann ungefähr Nordwind zu erwarten ist.
Inversion – kalte Luft, oft mit Nebel oder Hochnebel, liegt im Vorland, am See scheint die Sonne. Am Walchensee schiebt das oft Nordwind über den Kesselberg.
Ora und Pelér – am Gardasee: die Ora ist der thermische Südwind am Nachmittag, der Pelér der Nordwind am Morgen.
Westwind und Ostwind – Wind, der mit der großen Wetterlage kommt (z. B. am Chiemsee).
Kaltluft – Abwind von Gewittern in den Bergen, kurz und kräftig (Kochelsee).
Front – eine Front zieht durch: kurzer, starker Wind, danach zieht es zu.
So liest du die Vorhersage
Tageskachel: die wahrscheinlichste Stufe mit ihrer Wahrscheinlichkeit. Der farbige Balken darunter zeigt, wie sich die Chancen auf alle Stufen verteilen – ein Tag mit „Leichtwind 50 %“ kann trotzdem 30 % Chance auf einen Windtag haben.
Label (z. B. Thermik, Föhn, Inversion): das Windsystem, das wir für den Tag erwarten (siehe unten). Es steht nur an Tagen mit mindestens „Leichtwind“.
Stündlicher Wind: die Linie ist der wahrscheinlichste Wert, das helle Band der Bereich, in dem der Wind in 8 von 10 Fällen liegt. Ein breites Band heißt: Die Lage ist unsicher.
Details: warum wir so vorhersagen
Der Reiter Details zeigt die Treiber hinter der Vorhersage, zum Beispiel Druckunterschiede über den Alpen, den Wind in der Höhe oder die Sonne. Die gestrichelten Linien sind Grenzwerte, die wir aus unseren Messungen am Spot ermittelt haben: Erreicht die Vorhersage die Linie, kam in der Vergangenheit meistens Wind. Unter „Windsysteme an diesem Spot“ steht, welche Winde dort gut funktionieren – und welche nicht.
Rückblick: wie gut wir lagen
Im Reiter Rückblick stellen wir jeden Tag unsere Vorhersage der Messung gegenüber – auch an Tagen, an denen wir danebenlagen. So siehst du selbst, wie zuverlässig die Vorhersage an deinem Spot ist. Das grüne Modell-Label oben nennt das Modell mit Datum, Station und Zahl der Eingabewerte.
Wie unser Modell entsteht
Die Idee ist nicht neu. Schon 2018 haben wir ein Modell gebaut, das allein aus den Messungen der Station lernte, wie sich der Wind in den nächsten Stunden entwickelt. Die nächsten drei Stunden sagte es besser vorher als die bekannten Wetterdienste. Es hatte aber eine grundsätzliche Grenze: Über die Station hinaus sah es nichts, also auch kein Wetter, das großräumig heranzieht.
Seit 2022 stellt Open-Meteo historische Vorhersagen bereit, also das, was die Wettermodelle in der Vergangenheit tatsächlich vorhergesagt haben. Nach vier Jahren reicht dieser Datensatz zum Trainieren, und er wächst jedes Jahr weiter.
Heute nehmen wir die Vorhersage der Wettermodelle als Ausgangspunkt und korrigieren sie statistisch in Richtung der Messung am Spot (Fachbegriff: MOS). Dazu bekommt das Modell die Signale, die den Wind antreiben: Druckunterschiede, Wind in der Höhe, Sonne und Luftschichtung. Besonders wichtig ist die Zeit. Thermik folgt einem Rhythmus: Sie baut sich mit der Sonne auf, erreicht am Nachmittag ihr Maximum und schläft abends ein. Über das Jahr ändert sich das mit Sonnenstand und Tageslänge.
Viel gelernt haben wir von Simon Stieber. Er hat für den Walchensee herausgearbeitet, unter welchen Bedingungen die Thermik zündet. Seine Treiber haben wir übernommen: den Druckunterschied München–Innsbruck, den Föhn-Druckunterschied Bozen–Innsbruck, die Sonne und den Höhenwind. Anders als ein Regelwerk, das nur beantwortet, ob die Thermik zündet, sagt unser Modell den Wind selbst vorher: Grundwind und Böe Stunde für Stunde, mit Bandbreite. Daraus ergibt sich, wie wahrscheinlich jede Stufe ist, egal ob der Wind aus Thermik, Höhenwind oder einer Front kommt.
Grenzen heute und warum wir besser werden
Gemessenen Wind haben wir an vielen Spots seit über zehn Jahren, die historischen Vorhersagen aber erst seit 2022. Für die alltäglichen Lagen wie die Ora am Gardasee oder die Thermik am Walchensee reicht das gut. Seltene Wetterlagen hat das Modell dagegen noch zu selten gesehen, um sie zuverlässig zu treffen. Am Gardasee sind das zum Beispiel der Nordföhn (Balin) mit kräftigem Nordwind, oft im Winter, und die Übergangslagen im Frühjahr und Herbst.
Mit jedem Jahr wächst der Datensatz, und damit lernt das Modell auch die seltenen Lagen besser. Helfen kannst du dabei: In den Reports kannst du künftig zu jedem Spot mit Vorhersage bewerten, ob sie gepasst hat (echter Fehler, grenzwertig oder korrekt, dazu ein Kommentar). Diese Urteile nutzen wir gezielt, um die schwierigen Tage zu verbessern.
Unsere Vorhersage ist eine statistische Vorhersage, keine amtliche Wettervorhersage und kein Ersatz für Unwetterwarnungen. Kurze Ereignisse wie Gewitterböen oder einzelne Frontdurchgänge lassen sich nur schwer auf die Stunde genau vorhersagen. Entscheide vor Ort nach den Verhältnissen. Die Webcam und die Live-Messung helfen dabei.
Statistische Vorhersage ohne Gewähr – keine amtliche Wettervorhersage und kein Ersatz für Unwetterwarnungen. Wassersport auf eigene Gefahr; entscheide nach den Verhältnissen vor Ort. Nutzungsbedingungen